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The making of a star - Roger Federer

RF_tcob05_07_100.jpgThe Making of a Star - So entstand Roger Federer
Roger Federer gilt als bester Tennisspieler aller Zeiten - das weiß mittlerweile jeder. Aber wissen Sie, wie es dazu kam? Und kann man ihn möglicherweise gar nachbauen? Ein Artikel aus dem Österreichischen Tennismagazin: "Happy Tennis"

The Making of a Star - So entstand Roger Federer

Roger Federer gilt als bester Tennisspieler aller Zeiten - das weiß mittlerweile jeder. Aber wissen Sie, wie es dazu kam? Und kann man ihn möglicherweise gar nachbauen?

Von Martin Huber,
Quelle: "Happy Tennis",  Tennis Magazin Wien, Austria, Erschienen 02/2006
© Der Artikel ist urheberrechtlich geschützt!

Große Sportler sind Getriebene von ihrem inneren Verlangen nach Perfektion. Oft umgibt sie deshalb die Aura einer Maschine - denken Sie an Sampras, Armstrong oder Schumacher. Roger Federer ist ähnlich dominant und doch ganz anders. Seinen Exekutionen am Court haftet eine frappierende Schönheit und Leichtigkeit an, seine Hinrichtungen sind geprägt von Lässigkeit und Natürlichkeit. Federer verkörpert Eleganz und Perfektion. Er ist ein Artist, der nicht lange braucht, um seine Werke zu finalisieren, weil er instinktiv das Richtige tut.

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(Photo copyright: S.Zimmermann/TCOld Boys Basel)
Das ist das Endprodukt, das kennen und bewundern wir: Aber wie kam es dazu? Ist sein Talent naturgegeben? Wer war sein erster Trainer? Mit welchen Methoden wurde an diesem Genie gefeilt? Ist er überhaupt ein Genie? Wie war er als Kind? Wie ist er heute? Hat er sich verändert? Und was r besser als alle anderen? Wir gingen diesen Fragen nach.

Tausende Schüler, ein Diamant

Basel, Mitte Jänner. Für Seppli Kacovsky ist es ein Tag wie jeder andere auch. Seit über 40 Jahren gliedern sich seine Tage in Tenniseinheiten, seit über 40 Jahren dreht sich die Welt des Seppli Kacovsky im selben Takt um den Tennisball. Es ist das 36. Jahr, das der gebürtige Prager als Trainer für den Baseler Tennisclub Old Boys arbeitet - noch immer steht er selbst am Court, noch immer hat er das Lachen nicht verlernt. Es ist ein herzliches Grinsen; das, was von der Frisur übergeblieben ist, versteckt er dezent unter einer schwarzen Kappe: „Ein paar Jahre noch - mit 65 hör’ ich uff, geh ich in Rente“, sagt er im Schwyzerdeutsch, ohne seine tschechischen Wurzeln zu verheimlichen. Tausende Schüler sind durch seine Finger gegangen, darunter Roger Federer. Ja, der Roger Federer.

Sechs lange Jahre, von acht bis vierzehn, hat Roger unter Seppli trainiert. Kann er sich noch an die Anfänge erinnern? „Roger vergisst man nicht.“ Nie wieder habe er ein Kind gesehen, dass mit so viel Talent beschenkt wurde. „Und glauben Sie mir, so schnell werde ich das auch nicht wieder erleben.“ Schon nach den ersten Schlägen habe er gewusst, was es geschlagen hat. Auf Platz fünf, im letzten Winkel der Anlage, hätten sie meistens geübt. „Wie viel wir auch trainierten, er bekam nie genug“, erinnert er sich. Nach dem Training suchten sie immer gemeinsam nach Spielpartnern. „Jede Anweisung hat er in die Tat umgesetzt. Andere Schüler brauchten Stunden, wenn nicht Wochen. Roger wurde mit einem Racket in der Hand geboren.“

Versteckspiel hinterm Schiedsrichterstuhl
In Münchenstein, einem Vorort von Basel, ist Roger Federer aufgewachsen. „Seine Mutter Lynette hat bei uns, beim TC Old Boys, gespielt, eines Tages nahm sie Roger mit – so begann alles“, erzählt Madeleine Bärlocher, die damals das Junioren-Training koordinierte. Heute ist sie 65 Jahre, Episoden könnte sie viele erzählen: „Mit zehn hat er einmal ein Match verloren, sich hinter dem Schiedsrichterstuhl verschanzt und 10 Minuten geheult.“ „Sehr ehrgeizig“ sei er gewesen, so ganz ohne Tränen ging es deshalb nicht. „Ein Lausbub war er, ein ganz normaler Junge eben“, „nicht der herausragende Junior, der alles gewonnen hat“, „schön aber hat er immer schon gespielt.“ „Hätte ich geahnt, was aus ihm einmal wird, ich hätte noch viel genauer hingesehen.“  

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Madeleine Baerlocher und Seppli Kacovsky
 (Photo copyright: Fredy Flueckiger)

Bis vor ein paar Jahren hat Madeleine Bärlocher regelmäßig mit Roger telefoniert. „Immer wenn er ein Turnier gewonnen hat, hat er sich gemeldet.“ Heute hat sie keine Telefonnummer mehr, sie möchte das auch nicht. „Er hat genug um die Ohren.“

Was ging ihr eigentlich durch den Kopf, als er das erste Mal  Wimbledon gewann? „Ich musste schlucken.“ Selbst hatte sie als Juniorin in Wimbledon gespielt, deshalb konnte sie sich das Theater um ihn vorstellen. Im Clubhaus des TC Old Boys stieg damals eine riesige Fete. Auch Seppli konnte sich in diesem Moment die Tränen nicht verbeißen, während Klubpräsident Niki von Vary in die Runde brüllte, dass fortan alle Getränke gratis seien. „Stolz“ sei er in diesen Sekunden gewesen, sagt Seppli, „so wie die ganze Schweiz“.

Freunde statt Bodyguards

Auch seinen späteren Mentor, Peter Carter, der 2002 bei einem Autounfall in Südafrika tragisch ums Leben kam, lernte Roger auf der Anlage des TC Old Boys kennen.

„Er war ein Gentleman, das hat mir gefallen, er hat Probleme im Ruhigen gelöst, wie ich“, sagt Federer heute über ihn. Die wunderschöne Technik hätte er ihm beigebracht und auch, seine Emotionen zu kanalisieren und jeden Schritt am Court zu durchdenken.

Einmal wöchentlich trainierte er mit Carter, bis Roger mit 14 das Elternhaus verließ, um ins Leistungszentrum des Schweizer Tennisverbandes in die französischsprachige Schweiz zu ziehen. „Es war hart. Die Familie zurück zu lassen, das Leben mit Fremden, eine neue Sprache zu lernen.“ Sechs Monate plagten ihn Heimweh, auch sein Tennis litt. „Wir zwangen ihn nicht dazu, es war seine Entscheidung“, so Mama Lynette.

Heute legt der polyglotte (spricht drei Sprachen fließend) Federer großen Wert auf sein Umfeld. Freundin Mirka Vavrinec ist immer dabei und nimmt ihm die wichtigsten (Manager-) Aufgaben ab.  Pavel Kovac, der in der Anfangszeit meist auf der Couch nächtigte, mimt den Physiotherapeuten. Reto Staubli, früherer Schweizer Tennisprofi, ist Freund und Sparringpartner. Und dann gibt es noch Kondi-Trainer Pierre Paganini, der ihm schnelle Beine macht und einmal den treffenden Satz sagte: „Roger ist ein Künstler, für den sein außergewöhnliches Talent lange sein größtes Problem war.“ Er hätte nicht gewusst, wann er welche Waffe einsetzten sollte. „Außerdem erlaubte ihm sein Talent athletische Defizite zu überspielen.“ Das ist heute längst Vergangenheit. Federer weiß selbst, was am besten für ihn ist. Auch deshalb hat er sich Ende 2003 von Peter Ludgren getrennt. Unabhängiger sei er seitdem geworden, mehr über sich und das Leben hätte er erfahren. Eine Trainerschulter zum Anlehnen braucht er nicht - seine Instinkte sind zu scharf, seine Selbsturteile zu treffend.

Der Kontakt mit Teilzeit-Coach Roche beschränkt sich auf ein paar Wochen im Jahr, telefoniert wird dazwischen nur selten.Es kursierte einmal die Angst, Aufschlaghünen könnten das Tennis ruinieren - Federer hat diese Ängste begraben. Der Schweizer - der 1998, ein Jahr vor Jürgen Melzer das Junioren-Turnier in Wimbledon gewann - ist nicht von seinem Service abhängig, wie es Sampras war.„Er kann jeden einzelnen Schlag. Ihm würde ich sogar beim Training zuschauen“, gesteht Ivan Lendl. Andy Roddick findet es bemerkenswert, dass er dich „seine Stärke im zwischenmenschlichen Kontakt nicht spüren lässt.“Pete Sampras, 14-facher Grand Slam-Champ.

Wer sind Federers Challenger?

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(Photo: copyright TC Old Boys Basel)

Nadal, Hewitt, Roddick? Gegen Roddick und Hewitt hat er in den letzten 14 Matches nicht verloren. Mit ein Grund, warum Roger andere Namen auf der Liste hat. Nadal, eh klar. Gasquet hat ihn 2005 besiegt, Berdych 2004 bei Olympia. Beide seien eine Gefahr, „sie müssen sich aber erst beweisen.“ 
 Einen Namen hat Federer übrigens vergessen. Sein größter Challenger ist er selbst – körperlich Top und mental hungrig zu bleiben. „Wenn du ihn siehst, glaubst du, er ist besser als Sampras – was er wahrscheinlich auch ist“, analysiert Richard Krajicek. „Pete aber hatte das Verlangen auf Jahre an der Spitze zu bleiben. Das ist das mental Schwierigste, das muss Federer erst zeigen.“
Es kursierte einmal die Angst, Aufschlaghünen könnten das Tennis ruinieren - Federer hat diese Ängste begraben. Der Schweizer - der 1998, ein Jahr vor Jürgen Melzer das Junioren-Turnier in Wimbledon gewann - ist nicht von seinem Service abhängig, wie es Sampras war. „Er kann jeden einzelnen Schlag. Ihm würde ich sogar beim Training zuschauen“, gesteht Ivan Lendl. Andy Roddick findet es bemerkenswert, dass er dich „seine Stärke im zwischenmenschlichen Kontakt nicht spüren lässt.“

Rod Laver, der beste Spieler seiner Generation, wurde einmal gefragt, wie er schaffte so lange an der Spitze zu stehen? Er antwortete: „Die Tage, an denen dein Spiel am verletzlichsten ist, sind jene, in denen du einen Schritt voraus bist.“ Der Branchenprimus zu sein, ist nicht immer lustig. Du bist der Gejagte - dein Kopf ist zum Abschuss frei gegeben. Fühlt sich Federer in der Rolle des Gejagten wohl? „Es ist angenehm zu wissen, dass niemand besser ist, bei jedem Match der Favorit zu sein.“ Das Vertrauen in sich sei gewachsen: „Doch jeder kann mich an bestimmten Tagen schlagen.“ Obwohl er natürlich wisse, wie schwer er zu schlagen ist, daraus hole er auch sein Selbstvertrauen. An all seine 10 Niederlagen in den letzten zwei Jahren kann er sich erinnern. Gedanklich zerlegt hätte er sie, daraus gelernt und doch ganz schnell abgehakt.

So eine Vorahnung

„Das Talent ist nicht von einem auf den anderen Tag gekommen.“ Seppli Kacovsky ist sich sicher, dass Roger auch als Fußballer in die Nationalmannschaft gekommen wäre. „Ein paar Matches von ihm bei Concordia Basel habe ich gesehen, er hat sie alleine entschieden.“

„Wir haben den Anfang und scheinbar vieles richtig gemacht“ sagt Madeleine Bärlocher, die, wenn sie ihn spielen sieht, immer noch nervös ist. Letzten April hatte sie Gelegenheit dazu, als der „verlorene Sohn“ auf der Heim-Anlage eine Exhibition spielte. „Vor 1800 Leuten, gratis“, fügt Kacovsky hinzu. „Er hat nicht vergessen, was der Klub für ihn getan hat.“ Menschlich sei er der Selbe geblieben. „Nie hochnäsig. Wenn er Zeit hat, kommt er vorbei.“ Was reden sie dann? „Über die Vergangenheit.“ In Gedanken sei Roger schon damals als Kind die Nr. 1 gewesen. „Wow“, schrie er dann, erinnert sich Kacovsky, „“mit diesem Schlag gewinn ich Wimbledon!“ Die Rückhand zog er voll durch, der Ball schlug auf der Plane ein.“ Noch heute schmunzeln sie darüber. Roger und Seppli. thumb_roger_seppli_tcob05_800.jpg
Zwitis (Zitate):

„Roger wurde mit einem Racket in der Hand geboren.“
   Seppli Kacovsky, Roger Federers erster Trainer.

„Roger, du hast das Talent. Was du daraus machst, liegt einzig an dir.“
  
Madeleine Bärlochers Worte, als Federer in die große, weite Tenniswelt zog.

„Ein Lausbub war er, ein ganz normaler Junge eben.“
  
Madeleine Bärlocher, Ex-Jugend-Koordinatorin bei Federers Stammklub.

„Er kann das Tennis so lange dominieren, wie ich es tat. Wir haben ein ähnliches Temperament, wie ich lässt er Tennis sehr einfach aussehen.“
  
Pete Sampras, 14-facher Grand Slam-Champ.

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