Jugendfreunde aus TC Old Boys Junioren Zeiten
Heiss auf Tennis Quelle: Blick, 31.1.09, Photo (c) Dominique Plüss
Superstar Roger Federer trainiert in Basel mit Marco Chiudinelli. Voller Spielfreude. Die Nummer 1 hat noch lange nicht genug vom Tennis.
Federer setzt ein schiefes Grinsen auf und ruft zufrieden übers Netz: «Acht, sieben.» Das Mätschli gegen seinen Kumpel Chiudinelli ist intensiv, vor allem aber ein Heidenspass für beide. Sie ziehen sich auf, wann immer es geht, kommentieren genüsslich die Fehlschläge des anderen und stöhnen und ächzen zwischendurch, als wären sie alte Männer.
Federer versucht sich vergeblich an einem Passierball zwischen den Beinen hindurch und erntet den Spott seines Freundes. «Buuh», tönt es aus Federers Hälfte, als Chiudinelli einen störenden Schmetterling humorlos mit dem Racket k.o. schlägt. Der versucht sein Karma zu retten, indem er den Falter aus der Halle an die frische Luft trägt.
Die beiden agieren nicht wie zwei satte 28-jährige Routiniers im Frühherbst ihrer Karriere, sondern wie zwei Junioren, die gerade erst richtig auf den Geschmack gekommen sind. Dass Chiudinelli – der sich
nach vielen Verletzungen in ein Karriere-Hoch und auf den 71. Rang gekämpft hat – sich so verhält, ist nachvollziehbar.
Aber man kann sich fragen, wie hungrig man selber nach 61 Turniersiegen, nach 15 Grand-Slam-Titeln,
50 Millionen Preisgeld und einem x-fachen an Vermögen noch wäre. Die Szenen, die sich in Roger Federers Training vor seinem zehnten Auftritt an den Davidoff Swiss Indoors abspielen, lassen nur einen Schluss zu: Die Tennis-Ikone hat noch lange nicht genug.
Dieser Eindruck wird auch durch eine personelle Veränderung in Federers Team untermauert. Aus seinem engsten Umfeld erfuhr BLICK, dass er seinen bisherigen Physio Gary Hamilton durch Stéphane Vivier, einen der besten Tour-Physios, ersetzt.
Eine Randnotiz, könnte man meinen. Aber die Rochade ist durchaus auch als Zeichen zu verstehen. Wenn Federer noch bessere Mitarbeiter anheuert, die sich um seine Gesundheit sorgen, will er damit auch sagen: Ich rüste mich für ein paar weitere Jahre. So schnell verlasse ich die Bühne nicht.
Wenn Roger Federer zum Turnierstart am Montag von Turnierdirektor Roger Brennwald für sein Lebenswerk geehrt wird, ist es also vor allem eine Huldigung an einem weiteren Zwischenhalt, nicht auf der Ziellinie.
Am praktisch ausverkauften Heimturnier (über 70 000 Zuschauer werden erwartet) dürfte ihm nächste Woche aber nicht alles in den Schoss fallen. Dazu ist die Konkurrenz um Novak Djokovic und Co. viel zu stark. Ein Ansporn mehr für den König, seinen Spieltrieb weiter auszuleben.