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Ein 19 jaerhriger Muenchensteiner veraenderte die Tenniswelt

BaZ - Basler Zeitung: Erschienen am: 04.07.2001

Ein 19-jähriger Münchensteiner veränderte die Tenniswelt 

Auch am Tag nach seinem Triumph über den siebenmaligen Wimbledon-Champion Pete Sampras war Roger Federer in London ein grosses Thema. Aus einem talentierten Spieler, dem keiner eine grosse Chance gegeben hatte, ist über Nacht ein Star und Turnierfavorit geworden. Federer trifft heute im Viertelfinal auf Tim Henman (ca. 16.30 Uhr/SF2).

roger_baz_02.tif Roger Federer - vom Traum zurück in die Wirklichkeit. «Die Partie gegen Henman wird genauso schwierig wie jene gegen Sampras.» Keystone

London. «Kein Problem, ich bringe ihn gleich rüber.» Manchmal täuscht sich auch ein Erfolgstrainer wie Peter Lundgren, wenn es um seinen Schützling Roger Federer geht: Aus dem «ich bringe ihn gleich rüber» wurde nach dem gestrigen Training des Münchensteiners wenig bis gar nichts, da dieser bereits beim Verlassen des Übungscourts von Kamerateams und Medienschaffenden aus aller Herren Länder bestürmt wurde. Und aus den fünf Minuten, die Lundgren ursprünglich für die Presse vorgesehen hatte, wurde am Ende beinahe eine Stunde.
«Es war der Tag, als sich in Wimbledon alles veränderte», schrieb die Londoner «Times» nach Federers Fünfsatz-Triumph über den siebenmaligen Champion Pete Sampras. Ein Satz, der die Dimensionen dieses Erfolgs verdeutlicht. Ein anderes Indiz dafür, in welche Sphären sich der Schweizer durch seinen Achtelfinal-Sieg über den amerikanischen Champion katapultierte, war die lange Fan-Schlange, die sich vor dem Trainingsgelände bildete.
Anerkennung von allen Seiten Aber nicht nur die Fans, auch die andern Spieler und Coaches anerkannten die grosse Leistung des 19-jährigen Schweizers. «Alle, die ich getroffen habe, schüttelten mir die Hand und gratulierten mir», war Roger Federers simple Antwort auf die Frage, ob es denn von einzelnen Spielern Reaktionen gegeben habe. Und als ob es noch eines Beweises dieser Anerkennung bedurft hätte, schlich sich von hinten der Kroate Goran Ivanisevic, selbst dreimaliger Wimbledon-Finalist, an den Münchensteiner heran, zupfte ihn an dessen Schnürsenkeln und klopfte ihm lachend auf die Schulter

Der grösste Erfolg
Der Triumph über Pete Sampras ist der bislang grösste Erfolg in der noch jungen Karriere des 19-Jährigen. Denkwürdiger als seine Siege im Daviscup gegen die USA, als er die Schweiz Mitte Februar im Alleingang in die nächste Runde gespielt hatte. Bedeutender auch als sein erster Turniersieg auf der ATP-Tour im Februar in Mailand. Und emotionaler als jene Momente im vergangenen Oktober, als er an den Davidoff Swiss Indoors, seinem Heimturnier, nach einem Halbfinal-Triumph über Lleyton Hewitt ins Endspiel eingezogen war.
Auf eine grossartige Feier verzichtete der Weltranglisten-Fünfzehnte indessen. Nicht einmal ein Glas Champagner gönnte er sich: «Champagner kann man dann trinken, wenn man das Turnier gewonnen hat.» Welch grosse Party Federer angesichts des bevorstehenden Viertelfinals verpasste, liess sich gestern Mittag im Gesicht von Yves Allegro ablesen. Der Schweizer N1-Spieler, der zuletzt als Qualifikant beim Rasenturnier von Rosmalen die zweite Runde erreicht hatte, war als Trainingspartner, aber auch als Glücksbringer des Baslers in den Süden Londons gereist - er hatte Sampras auf dem Centre Court auch 1996 gegen Richard Krajicek verlieren sehen; seit jenem Spiel hatte der Amerikaner bis zum 2. Juli 2001 in Wimbledon nie mehr verloren.
Ein anderer Tennisspieler, der sich gestern mit Federer freute, war dessen südafrikanischer Doppel-Partner Wayne Ferreira. «Es war eine unglaubliche Partie, es ist grossartig, dass Roger gewinnen konnte», meinte der 17. des ATP-Rankings. Für ihn bedeutete der Erfolg des Schweizers gleichzeitig das Ende der eigenen Ambitionen. Denn die Paarung Federer/Ferreira zog sich in gegenseitiger Absprache aus dem Doppel-Wettbewerb zurück, damit sich der Basler ganz auf seine heutige Viertelfinal-Partie gegen Tim Henman konzentrieren konnte.

Der nächste Champion?
Dass die Begegnung mit dem Briten für den Münchensteiner nur eine weitere Station auf dem Weg in den Final der Lawn Tennis Championships ist, glauben inzwischen viele. Am bezeichnendsten die Aussage von David Felgate, dem früheren Coach von Federers heutigem Gegner: «Es wird eine Frage der Erfahrung sein, ob Roger gut genug ist, um das Turnier bereits in diesem Jahr zu gewinnen. Eines ist sicher: Sein Spiel ist gut genug, um hier ähnlich erfolgreich zu sein, wie es Sampras in den letzten Jahren war.» Oliver Gut

 

Roger interessierte sich kaum fuer Maedchen

Blick - Artikel vom 04. Juli 2001

Federers erster Tennislehrer erinnert sich
«Roger interessierte sich kaum für Mädchen»
 
VON STEFAN NÄGELI UND GINA KERN
 
BASEL – Draussen ist es schwül. Seppli Kacovsky (60) sitzt im Klubhaus des TC Old Boys in Basel. Gespannt starrt er auf den Bildschirm. Matchball für Henman.
 

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Seppli – seit 31 Jahren jeden Tag um 7 Uhr auf dem Platz.
FOTO: ADRIAN JÄGGI
«Neeeiiin», ruft Seppli. Sein ehemaliger Schützling Roger ist eben in Wimbledon ausgeschieden. Als neunjähriger Knirps kam der scheue Roger Federer zum ersten Mal in den Tennisclub – seine Eltern spielten Tennis, so vergnügte sich auch der «Kleine» auf dem roten Sand. Schon damals war für Seppli klar: «Dieser Junge wird mal ganz gross.»

Die Zielstrebigkeit des Buben imponierte ihm. «Er sagte schon damals, er wolle die Nummer 1 der Welt werden», erzählt Seppli.

Bald überholte der Münchensteiner seine gleichaltrigen Kameraden. «Ich musste einen extra Trainingsplan für ihn erstellen, sonst wäre es ihm langweilig geworden.»

Zum Glück erstellte Kacovsky diesen Plan, und es wurde Federer nicht langweilig. Denn so talentiert wie im Tennis, war er auch im Fussball.

Sein enormes Bewegungspotenzial, das grosse Ballgefühl und die schnelle Auffassungsgabe wurden ihm in die Wiege gelegt. Federer nutzte dieses Geschenk und zehrt noch heute davon.

Nur etwas hat er geändert: «Früher interessierte er sich kaum für Mädchen, er trainierte lieber», sagt Seppli lachend.

Drei bis viermal pro Jahr sehen sich der Tennis-König und Seppli Kacovsky wieder. Dann kommt Roger in den Klub, geniesst ein Stück Heimat und verteilt den Junioren Autogramme. Vielleicht hat Roger nach seinem erfolgreichen Wimbledon-Trip kurz Zeit, um den alten Freunden im Klub Hallo zu sagen. «Roger gehört halt nach wie vor in unsere Tennis-Familie.»

 
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