Presse und Erfolge

Tages Anzeiger Artikel über Marco Chiudinelli

Doch dieser Tage hat Chiudinelli keinen Grund zum Klagen: Er spielte sich am US Open in New York mit drei Siegen ins Haupttableau und trifft da heute auf Potito Starace (ATP 92) - keine unlösbare Aufgabe, ist doch der Italiener ein Sandplatzspezialist mit wenig Faible fürs US Open.

Spontaner Flug nach Genf

Bei Chiudinelli verhält es sich ganz anders. Er strahlt, wenn er über Flushing Meadows spricht: «Hier qualifizierte ich mich 2006 erstmals für ein Grand Slam, und dann stiess ich gleich in Runde 3 vor. Das sind schöne Erinnerungen.» Er schlug damals die Spanier Vicente und Lopez und zwang Richard Gasquet über vier Sätze. Mit dem Einzug in sein drittes Major hat sich für ihn der Abstecher nach New York nun schon gelohnt.

Und er wurde in seiner Entscheidung bestätigt, in der Heimat Interclub zu spielen. Nach dem Scheitern in der Qualifikationsrunde von Montreal buchte er in einer Nacht- und Nebelaktion einen Flug nach Genf, um tags darauf beim vorletzten Gruppenspiel Wolleraus dabei zu sein. Hätte er dieses verpasst, wäre er für die Finalrunde nicht spielberechtigt gewesen.

119'000 Dollar Preisgeld

«Ich wollte eigentlich fünf Wochen in Nordamerika durchspielen», erzählt Chiudinelli. «Aber dann hatte ich genug. Ich musste mal kurz ausbrechen.» Mit dem Schweizer-Meister-Titel mit Wollerau schöpfte er neue Energie. Tennis kann ein einsamer Sport sein, auch wenn Chiudinelli seinen Coach Jan de Witt mit Viktor Troicki (Ser, ATP 31) und Ivan Dodig (Kro, 177) teilt und mit ihnen auch ein Physiotherapeut reist. Er könne sich dies leisten, weil er mit dem Zürcher Übersetzungsbüro Syntax einen treuen Sponsor habe, erklärt er. Und inzwischen hat er in diesem Jahr auch schon 119'000 Dollar Preisgeld brutto eingespielt.

Für den bald 28-Jährigen war klar, dass er es nochmals auf der Tour versuchen wolle, als er ab Herbst 2007 wegen einer Operation am linken Knie ein Jahr pausieren musste. Er will seine beste Klassierung (129) übertreffen und fühlt sich auf gutem Weg.

Ist er, der als Knabe in Basel mit Federer trainierte, nicht etwas neidisch auf den Star? Er schüttelt den Kopf: «Überhaupt nicht. Ich freue mich immer wieder, wenn er einen Rekord bricht. Ich habe uns nie verglichen, auch nicht als Junior. Er ist ein Ausnahmekönner, ich bin ein normaler Spieler und versuche, das Beste daraus zu machen.» Wie weit ihn das trägt, wird er in den nächsten Jahren herausfinden.
(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.08.2009, 12:29 Uhr

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