Presse und Erfolge

Artikel zum 75 Jahre TCOB Jubiläum

©BaZ Erschienen am: 05.04.2002

Wo Juniorentennis Tradition hat
Das 75-Jahr-Jubiläum lässt den TC Old Boys wohl vergeblich hoffen, seinem prominentesten Mitglied Roger Federer «zum ersten Interclub-Single-Sieg in der Nationalliga A gratulieren» zu können. 

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OB-Grössen. Marianne Kindler (links) und Evagreth Emmenegger holten insgesamt 13 Meistertitel (1965-75).

Basel. Morgen Samstag sind es 75 Jahre her, da die «Tennis-Section» des auf das Jahr 1894 zurückgehenden Basler Sport-Clubs Old Boys gegründet wurde. Bereits vorher hatten Leichtathletik (1907), Landhockey (1921), Schwimmen (1922) und Schiessen (1923) aus dem in seinen Urzeiten auf der Margarethenwiese beheimateten Fussball-Club Old Boys einen sehr grossen, national führenden polysportiven Verein gemacht.
Die Gründung der Tennisabteilung ging auf die Initiative von Carl Emil Stolz zurück. Der 1926 von einem Auslandaufenthalt heimgekehrte damals 26-jährige Kaufmann hatte freilich einige Widerstände zu brechen, ehe am 6. April 1927 in der Fasnachtsbeiz «Löwenzorn» laut Gründungsprotokoll «nicht sehr zahlreich erschienene Damen und Herren» die Tennis-Sektion aus der Taufe heben konnten. Der neue Verein scheint ein Bedürfnis jener Zeit gewesen zu sein. Er hatte auf Anhieb Erfolg und wurde mit seinen auf der Schützenmatte für 50 000 Franken (!) erstellten sieben Plätzen und den mehr als 200 Mitgliedern rasch der grösste Tennisclub im Land. Mit ein wichtiger Grund für den geglückten Anfang war, dass in Basel endlich nicht mehr nur Interessenten aus den höheren sozialen Schichten eine Spielgelegenheit hatten.
Wegen der allgemeinen Wirtschaftskrise verflog die erste Euphorie indes bald. In den 30er Jahren und der Zeit des Zweiten Weltkriegs machte der 1935 vom BSC abgespaltene Tennis-Club Old Boys kritische Phasen durch. Die einschneidenden Sparmass-nahmen diktierten mitunter gar die fast gänzliche Sistierung des Turnierbetriebs. Das passte natürlich vor allem den Spitzenleuten überhaupt nicht.
Angesichts der ungemütlichen wirtschaftlichen Situation schon fast als visionär zu bezeichnen ist das Engagement im Juniorenbereich, das schon damals vorbildlich war. Eine ausserordentliche Zahl von Juniorinnen und Junioren holte nationale Meisterehren. Die Liste umfasst von Alex Blumer (1937) bis Roger Federer nicht weniger als 21 Namen, die insgesamt über 80 Titel an den St. Galler-Ring holten.
Heute zählt der TC Old Boys 750 Mitglieder, davon 370 Aktive und 160 Junioren. «Auf OB», wie es unter Mitgliedern heisst, wenn von der Anlage und dem 1951 neu erbauten und seither zweimal modernisierten Clubhaus die Rede ist, ergänzen sich der leistungsorientierte Tennisbetrieb und das gesellschaftliche Leben zu einem bestens funktionierenden Ganzen. Dass dem seit mehr als einem Vierteljahrhundert so ist und OB nach gewissen Schwierigkeiten die Kurve ins Zeitalter, in dem das Geld im Sport regiert, erwischte, hat mit einigen klugen Entscheiden zu tun, vor allem aber auch mit Adolf «Seppli» Kacovsky. 1969 verpflichtet, entwickelte sich der 1941 in der damaligen Tschechoslowakei geborene Trainer rasch zum guten Geist des Clubs, zur sehr geschätzten Integrationsfigur.
Und so kommt es denn auch nicht von ungefähr, dass die legendären Schweizer Grössen Ruth Kaufmann (16 Meistertitel), Janine Bourgnon, Marianne Kindler und Evagreth Emmenegger in der heutigen Zeit in Roger Federer eine Art Nachfolger haben. Der im Jubiläumsbuch unter «Und ganz zum Schluss noch dies» festgehaltene Wunsch, Federer zum «ersten Interclub-Single-Sieg in der Nationalliga A gratulieren zu können», wird allerdings zumindest in dieser Jubiläumssaison nicht in Erfüllung gehen. Der Miami-Finalist wird dannzumal auf US-Hartplätzen ATP- und nicht auf Sand nach Interclubpunkten jagen... Beat Caspar


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